Im vorherigen Beitrag haben wir einen Teststand für den Linienscan flacher Oberflächen gebaut. So ein Aufbau ist wichtig, denn dort entstehen die Architektur des Systems und die Algorithmen, die später darauf laufen. Er hat aber Grenzen: eine Simulation unterscheidet sich immer von den Bedingungen in der Produktion, wo deutlich mehr Größen zusammenkommen, als man sich vorstellen kann.
Welche Einflüsse zeigen sich erst im Werk?
Ein Teil der Einflüsse wird erst sichtbar, wenn die Anlage in einem echten Werk für Pflastersteine läuft. Bei uns waren das:
- sehr unterschiedliche Produkte, ein Hersteller hat oft über 100 Artikel im Katalog,
- Wölbung der Produktionsbretter,
- Unebenheiten der Bandförderer,
- nasses Produkt, also noch nicht ausgehärteter Beton, der zusammen mit einer dunklen Farbe wie Anthrazit den Laser viel stärker schluckt als andere Produkte,
- Verschmutzung der Bretter aus dem laufenden Prozess,
- Vibrationen,
- hohe Staubbelastung,
- Licht von außen in wechselnder Stärke, Sonnenlicht ebenso wie künstliches Licht,
- Menschen, die an der Linie arbeiten.
Ohne den Schritt aus dem Labor hätten wir gar nicht gewusst, dass es diese Einflüsse gibt und dass sie ein echtes Problem sind. Und sie im Labor nachzustellen würde sehr lange dauern, wobei die Menge der gesammelten Daten trotzdem nicht an die Linie heranreicht.
Warum ein Pilotprojekt beim Kunden?
Genau deshalb ist es ein großer Vorteil, die Anlage bei einem möglichen Kunden im Pilotbetrieb laufen zu lassen. Wir haben diesen Schritt im vergangenen Jahr gemacht, und es war eine der besten Entscheidungen für das Produkt. Dafür sprechen vor allem zwei Punkte:
- Menge der Daten. Am Teststand haben wir täglich 20 bis 30 Scans gemacht. Die Anlage beim Kunden schafft 2 bis 3 tausend.
- Echte Bedingungen. Ohne das Pilotprojekt hätten wir von den äußeren Einflüssen auf die Messung nichts erfahren, die ich oben beschrieben habe.
Wie wählt man den Platz für das Pilotprojekt an der Linie?
Gut ist, wenn beim Pilotkunden viel Platz an der Linie frei ist. Dann lässt sich eine größere Anlage aufbauen, die auf Änderungen vorbereitet ist, also auf das Verschieben von Bauteilen, das Ergänzen weiterer Elemente und andere Versuche. So war es auch bei uns. Die fertige Anlage, eingebunden in die Produktionslinie, sehen Sie auf Bild 1.

Bild 1: Die Anlage für den Linienscan von Pflastersteinen, während des Pilotprojekts in die Produktionslinie des Kunden eingebunden.